Kapitel 6

Woher nahm Kain seine Frau?

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Wir kennen noch nicht einmal ihren Namen, und dennoch kam sie 1925 in dem berühmten Prozess gegen den Biologielehrer John Thomas Scopes zur Sprache, als der Staat Tennessee Herrn Scopes beschuldigte, er habe Evolution gelehrt und somit ein Gesetz übertreten. Kains Frau findet Erwähnung in den Filmen „Wer den Wind sät“1 und „Contact“2 und dient seit Jahrhunderten in vielen Ländern der Welt als Stoff für Streitgespräche.

Bibelkritiker haben mit der Frage nach Kains Frau immer wieder versucht, den Schöpfungsbericht im 1. Buch Mose (Genesis) als unglaubwürdig hinzustellen – er könne keine Schilderung eines historischen Ereignisses sein. Leider sind die meisten Christen nicht in der Lage, auf diese Frage eine befriedigende Antwort zu geben. Deshalb ist die Welt der Meinung, sie wären nicht fähig, die Autorität der Heiligen Schrift und somit den christlichen Glauben zu verteidigen.

Nehmen wir zum Beispiel die geschichtlich bedeutsame Gerichtsverhandlung 1925 in Tennessee gegen Herrn Scopes. Der Staatsanwalt William Jennings Bryan, der den christlichen Glauben vertrat, konnte auf die Frage nach Kains Frau nicht antworten, als der Rechtsanwalt Clarence Darrow ihn dazu befragte. Hier ist ein Auszug aus dem Verhandlungsprotokoll:

Frage: Haben Sie jemals herausgefunden, wer Kains Frau war?

Antwort: Nein, Herr Anwalt. Ich überlasse es den Agnostikern, dieser Frage nachzugehen.

Frage: Sie haben dies also niemals herausgefunden?

Antwort: Ich habe nie versucht, es herauszufinden.

Frage: Sie haben niemals versucht, es herauszufinden?

Antwort: Nein.

Frage: Die Bibel sagt doch, dass Kain eine Frau hatte, nicht wahr? Lebten zu der Zeit noch andere Menschen auf der Erde?

Antwort: Das kann ich nicht sagen.

Frage: Sie können es nicht sagen. Haben Sie jemals über diese Frage nachgedacht?

Antwort: Sie hat mich niemals beunruhigt.

Frage: Von dem Dasein anderer Menschen wird nicht berichtet, aber Kain hatte eine Frau.

Antwort: Das sagt die Bibel.

Frage: Sie wissen also nicht, woher sie stammte.3

Die Presse verfolgte diese Verhandlung mit größtem Interesse, und was sie damals hörte, prägt die Christenheit bis heute: Christen können den Schöpfungsbericht der Bibel nicht verteidigen!

Vor einigen Jahren nahm Carl Sagan genau dieses Beispiel in sein Buch „Contact“4 auf (es kam auf die Bestseller-Liste der „New York Times“); es erschien auch in dem gleichnamigen Film zu diesem Werk.

In dem Buch erzählt die erfundene Person Ellie, wie sie von der Pfarrfrau, die in der Kirchengemeinde einen Gesprächskreis leitete, keine Antworten bekam:

„Ellie hatte nie zuvor ernsthaft die Bibel gelesen … Deshalb las sie an dem Wochenende vor der ersten Unterrichtsstunde die Teile des Alten Testaments, die ihr wichtig erschienen, und versuchte dabei, unvoreingenommen zu sein. Sie merkte sofort, dass es in den ersten zwei Kapiteln des 1. Buches Mose zwei einander widersprechende Schöpfungsgeschichten gab … und sie hatte Schwierigkeiten, genau herauszufinden, wen Kain nun geheiratet hatte.“5

Geschickt führt Sagan eine Anzahl gewöhnlicher Fragen auf (auch die nach Kains Frau), die Christen oft gestellt werden mit dem Versuch, zu „beweisen“, dass die Bibel voller Widersprüche sei und nicht verteidigt werden könne. Ja, wahrscheinlich können die meisten Christen diese Fragen nicht beantworten.

Aber es gibt sie, die Antworten! Da die Kirchen und Gemeinden kaum Apologetik6 lehren, jedenfalls nicht in Hinsicht auf das 1. Buch Mose (Genesis), sind die meisten Gläubigen nicht „allezeit bereit zur Verantwortung gegenüber jedermann, der Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist, und zwar mit Sanftmut und Ehrerbietung“ (1. Petrus 3,15).

Warum Ist Die Frage Nach Kains Frau Wichtig?

Skeptiker behaupten, auf der Erde müsse es auch Menschen gegeben haben, die anderer Abstammung waren, das heißt; nicht Nachkommen von Adam und Eva. Nur so hätte Kain eine Frau finden können. Diese Frage ist für viele ein Hindernis, den Schöpfungsbericht der Bibel mit nur einem Mann und einer Frau am Anfang der Weltgeschichte für wahr zu halten – und damit die gesamte Bibel und natürlich auch das Evangelium.

Apologeten, d. h. Verteidiger des Evangeliums, sollten darlegen können, dass alle Menschen die Nachkommen eines einzigen Mannes und einer einzigen Frau sind – Nachkommen von Adam und Eva; denn laut der Schrift brauchen wir die Errettung durch Jesus Christus, weil wir Adams Nachkommen sind (und natürlich auch die von Eva, die am Sündenfall nicht gerade unbeteiligt war). Aus diesem Grunde ist es wichtig, dass Gläubige die Frage nach Kains Frau beantworten und zeigen können, dass auch sie von Adam und Eva abstammt.

Die Frage nach Kains Frau ist nicht schwer zu beantworten; doch zunächst einige Hintergrundinformationen zum Evangelium.

Der Erste Mensch

„Darum, gleichwie durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist und durch die Sünde der Tod, und so der Tod zu allen Menschen hingelangt ist, weil sie alle gesündigt haben … “ (Römer 5,12.)

In 1. Korinther 15,45 lesen wir, dass Adam „der erste Mensch“ war. Gott begann also mit der Erschaffung einer Einzelperson, nicht eines ganzen Stammes.

Römer 5 lehrt uns, dass wir Sünder sind und sündigen, weil Adam gesündigt hat, und das Todesurteil, das sich Adam durch seinen Ungehorsam zugezogen hat, gilt auch für alle seine Nachkommen.

Adam war bei seinem „Sündenfall“ der Stammvater der gesamten Menschheit und deshalb ihr „Haupt“. In Adam sind auch wir „gefallen“, denn wir waren damals schon „in seinen Lenden“; somit sind wir alle von Gott getrennt. Die endgültige Folge der Sünde bzw. unseres sündigen Zustands ist die ewige Trennung von Gott. Aber es gibt Hoffnung: Wir haben die Möglichkeit, zu Gott zurückzukehren.

Da es ein Mensch war, der Sünde und Tod in die Welt gebracht hatte, brauchte die Menschheit (alle Nachkommen Adams) einen sündlosen Menschen, der die Strafe für Sünde – die Todesstrafe – auf sich nehmen würde. Doch die Bibel lehrt: „Alle haben gesündigt“ (Römer 3,23). Was nun?

Der Letzte Adam

Gott schuf eine Lösung, um den Menschen aus seinem verlorenen Zustand zu befreien: In 1. Korinther 15 erklärt Paulus, dass Gott einen anderen Adam berief, seinen eigenen Sohn Jesus Christus. Der Sohn Gottes wurde Mensch – er war ein vollkommener Mensch – und er war mit uns verwandt! (Das wäre nicht der Fall, würden wir nicht von Adam abstammen.) Jesus Christus trat an die Stelle des ersten Adam, deshalb wird er „der letzte Adam“ genannt (1. Korinther 15,45). Er wurde das neue Haupt der Menschheit; da er sündlos war, konnte er die Todesstrafe für die Sünde auf sich nehmen:

„Denn weil der Tod durch einen Menschen kam, so kommt auch die Auferstehung der Toten durch einen Menschen; denn gleichwie in Adam alle sterben, so werden auch in Christus alle lebendig gemacht werden“ (1. Korinther 15,21–22).

Jesus Christus erlitt den Tod am Kreuz und vergoss dabei sein Blut – denn „ohne Blutvergießen geschieht keine Vergebung“ (Hebräer 9,22). Nun kann jeder, der das am Kreuz vollbrachte Erlösungswerk Jesu Christi für sich annimmt, von seiner Sünde des Ungehorsams (in Adam) umkehren und mit Gott versöhnt werden.

Alle Menschen Sind Miteinander Verwandt

Die Bibel bezeichnet alle Menschen als Sünder – auf der Grundlage, dass wir alle von Adam abstammen (Apostelgeschichte 17,26: „Und er hat aus einem Blut jedes Volk der Menschheit gemacht, dass sie auf dem ganzen Erdboden wohnen sollen“); das heißt, dass alle Menschen, die je gelebt haben (ausgenommen die erste Frau, Eva)7, als Nachkommen des ersten Menschen (Adam) miteinander verwandt sind. Am Anfang gab es ja nur einen Menschen – aus dem Staub der Erde erschaffen (1. Mose 2,7).

Das bedeutet auch, dass Kains Frau ebenfalls ein Nachkomme Adams war. Sie konnte nicht aus einem anderen Stamm kommen; sie muss ein Nachkomme Adams gewesen sein. Das ist wichtig, um das Evangelium zu erklären und zu verteidigen.

Die Erste Frau

In 1. Mose 3,20 lesen wir: „Und der Mensch gab seiner Frau den Namen Eva; denn sie wurde die Mutter aller Lebendigen.“ Mit anderen Worten: Alle Menschen (mit Ausnahme von Adam) sind auch Nachkommen Evas. Sie war die erste Frau.

Eva wurde aus Adams Seite geschaffen (1. Mose 2,21–24) – ein einzigartiges Ereignis. Im Neuen Testament nehmen sowohl Jesus (Matthäus 19,4–6) als auch Paulus (Epheser 5,31) dieses historische und einmalige Geschehen als Begründung für die Ehe zwischen einem Mann und einer Frau.

Außerdem wird uns in 1. Mose 2,20 mitgeteilt, dass Adam beim Betrachten der Tiere keine Gefährtin finden konnte – es gab niemanden von seiner Art.

All dies macht deutlich, dass es am Anfang auch nur eine einzige Frau gab und keinen „Stamm“ von Frauen.

Wie können Christen das Evangelium verteidigen, wenn sie nicht imstande sind darzulegen, dass alle Menschen ihre Herkunft auf Adam und Eva zurückführen können – einschließlich der Frau des Kain? Womit rechtfertigen sie, dass sie zu jedem Stamm und in jedes Volk Missionare senden wollen? Wir Christen müssen in der Lage sein, das Evangelium zu verteidigen mit allem, was es lehrt, und dazu gehört eben auch die Frage, woher die Frau des Kain kam.

Die Erste Frau

In 1. Mose 3,20 lesen wir: „Und der Mensch gab seiner Frau den Namen Eva; denn sie wurde die Mutter aller Lebendigen.“ Mit anderen Worten: Alle Menschen (mit Ausnahme von Adam) sind Nachkommen Evas. Sie war die erste Frau.

Eva wurde aus Adams Seite geschaffen (1. Mose 2,21–24) – ein einzigartiges Ereignis. Im Neuen Testament nehmen sowohl Jesus (Matthäus 19,4–6) als auch Paulus (Epheser 5,31) dieses historische und einmalige Geschehen als Begründung für die Ehe zwischen einem Mann und einer Frau.

Außerdem wird uns in 1. Mose 2,20 mitgeteilt, dass Adam beim Betrachten der Tiere keine Gefährtin finden konnte – es gab niemanden von seiner Art.

All dies macht deutlich, dass es am Anfang auch nur eine einzige Frau gab und keinen „Stamm“ von Frauen.

Wie können Christen das Evangelium verteidigen, wenn sie nicht imstande sind darzulegen, dass alle Menschen ihre Herkunft auf Adam und Eva zurückführen können – einschließlich der Frau des Kain? Womit rechtfertigen sie, dass sie zu jedem Stamm und in jedes Volk Missionare senden wollen? Um das Evangelium zu begründen und alles, was es lehrt, müssen wir auch erklären können, wo Kains Frau herkam.

Wer War Kain?

Laut der Heiligen Schrift war Kain das erste Kind von Adam und Eva (1. Mose 4,1). Er und seine Brüder Abel (1. Mose 4,2) und Seth (1. Mose 4,25) gehörten zur ersten Generation Kinder, die je auf dieser Erde geboren wurde. Diese drei Söhne werden namentlich genannt; aber Adam und Eva hatten noch andere Kinder.

Kains Brüder Und Schwestern

In 1. Mose 5,4 lesen wir eine Zusammenfassung über das Leben Adams und Evas: „Und die Lebenszeit Adams, nachdem er den Seth gezeugt hatte, betrug 800 Jahre, und er zeugte Söhne und Töchter.“

Adam und Eva hatten also viele Söhne und Töchter. Der jüdische Historiker Josephus schreibt: „Die Anzahl der Kinder Adams betrug nach alter Tradition 33 Söhne und 23 Töchter.“8

Die Heilige Schrift teilt uns nicht mit, wie viele Kinder Adam und Eva geboren wurden. Aber betrachtet man ihre lange Lebenszeit (Adam lebte 930 Jahre – 1. Mose 5,5), scheint es logisch, anzunehmen, dass es viele gewesen sind! (Immerhin hatten sie den Auftrag: „Seid fruchtbar und mehrt euch!“ (1. Mose 1,28.)

„Ehefrau“ Auf HebräIsch

Wenn wir nun ausschließlich von der Heiligen Schrift ausgehen, ohne irgendwelche privaten Vorurteile oder andere außerbiblischen Vorstellungen, müssen wir annehmen, dass ganz am Anfang, als es nur diese eine Generation gab, Brüder ihre Schwestern heiraten mussten. Sonst hätte es keine weiteren Generationen geben können!

Wann Kain geheiratet hat, wird uns nicht berichtet. Auch über die anderen Ehen und Kinder wird nichts mitgeteilt; aber wir können mit Sicherheit davon ausgehen, dass Kains Frau vermutlich seine Schwester war oder vielleicht seine Nichte.

Das hebräische Wort für „Ehefrau“ im 1. Buch Mose (Genesis) hat Bedeutungsebenen, die in der Übersetzung verloren gehen können; aber für die alten Hebräer war es klar: Kains Frau war wahrscheinlich seine Schwester. (Es könnte theoretisch auch sein, dass sie seine Nichte war, aber auch dann mussten am Anfang ein Bruder und eine Schwester einander heiraten.) Das hebräische Wort für „Ehefrau“ in 1. Mose 4,17, wo Kains Frau erstmals erwähnt wird, lautet ischah – „Frau, Ehefrau, weiblicher Mensch“: „Und Kain erkannte seine Frau; die wurde schwanger und gebar den Henoch. Und er baute eine Stadt und nannte sie nach dem Namen seines Sohnes Henoch.“

Das hebräische ischah ist eine Ableitung von isch – „Mann“ und bedeutet deshalb ursprünglich „vom Mann“, dieser Zusammenhang wird deutlich in 1. Mose 2,23: „Da sprach der Mensch: „Das ist endlich Gebein von meinem Gebein und Fleisch von meinem Fleisch! Die soll ‚Männin‘ [ischah] heißen; denn vom Mann [isch] ist sie genommen!“

So war Kains Frau ein Nachkomme von Adam und Eva, sie musste also seine Schwester sein oder vielleicht seine Nichte. Im Hebräischen ist das klarer; in Übersetzungen kann manches verloren gehen.

Einwand: Gottes Gesetz

Viele weisen die Schlussfolgerung, dass die Söhne und Töchter von Adam und Eva miteinander verheiratet waren, rundweg ab; sie berufen sich auf das Gesetz, das die Heirat zwischen Bruder und Schwester verbietet. Einige sagen sogar, man dürfe gar keinen Verwandten heiraten.

Aber dann dürfte man überhaupt nicht heiraten! Denn eine Frau ist schon vor der Ehe mit ihrem Mann verwandt – wir alle sind ja Nachkommen von Adam und Eva, wir sind alle von einem Blut.

Das Gesetz, das nahen Verwandten verbot, zu heiraten, wurde erst zur Zeit Moses gegeben (3. Mose 18–20). Unter der Bedingung, dass die Heirat zwischen einem Mann und einer Frau für das ganze Leben galt (laut 1. Mose 1 und 2), war es ursprünglich (vor der Zeit Moses) kein Ungehorsam gegen Gottes Gesetz, wenn nahe Verwandte einander heirateten, auch wenn sie Bruder und Schwester waren.

So war Abraham mit seiner Halbschwester verheiratet (1. Mose 20,12).9 Erst zur Zeit Moses, etwa 400 Jahre nach Abraham, verbot Gottes Gesetz solche Ehen.10

Einwand: Behinderungen Und Missbildungen

Heute verbietet das Bürgerliche Gesetzbuch die Ehe zwischen Geschwistern und Halbgeschwistern.

Kinder, die in der Vereinigung von Bruder und Schwester gezeugt werden, haben ein höheres Risiko, behindert oder missgebildet zu sein. Je näher das Paar miteinander verwandt ist, desto größer ist diese Gefahr. Das ist leicht zu verstehen, deshalb hier nur eine generelle Erklärung; die technischen Einzelheiten können wir uns ersparen.

Jeder Mensch erbt von der Mutter und von dem Vater einen Satz Gene. Leider sind unsere Gene inzwischen fehlerhaft (eine Folge des Sündenfalls und des Fluches), was sich vielfältig auswirken kann. Manche lassen z. B. die Haare über die Ohren wachsen, um zu verbergen, dass das eine Ohr tiefer sitzt als das andere. Oder die Nase ist nicht ganz in der Mitte des Gesichts, oder der Kiefer ist nicht so wohlgeformt …

Je näher zwei Menschen miteinander verwandt sind, desto wahrscheinlicher sind die Fehler in ihrem Genom einander ähnlich, denn ihr Erbgut stammt ja von denselben Vorfahren; bei Bruder und Schwester ist die Übereinstimmung der Fehler am größten. Würden sie zusammenkommen, erhielte das Kind zwei Gensätze mit wahrscheinlich gleichartigen Fehlern – und einzeln genommen „schwache“ Fehler würden im Doppel „stark“; die Folge wäre eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für Schwäche z. B. der Augen, Veranlagung zu Krankheiten, Behinderung oder Missbildungen beim Kind.

Umgekehrt: Je entfernter Eltern miteinander verwandt sind, desto wahrscheinlicher ist es, dass die Fehler in ihrem Erbgut sich unterscheiden. Auch hier erbt das Kind von jedem Elternteil einen Satz von Genen mit Fehlern, aber bei Vater und Mutter sind es nicht die gleichen Fehler. Das intakte Gen des einen Elternteils ist in der Regel stärker als das Gegenstück vom anderen Elternteil, das den Fehler trägt; so werden zumindest schlimme Missbildungen verhindert – vielleicht hat das Kind abstehende Ohren, aber nicht gänzlich entstellte! (Die Menschheit erlebt generell eine allmähliche Degeneration, da sich die Gendefekte mit jeder Generation anhäufen.)

Dies ist heute eine Tatsache; für Adam und Eva galt sie aber noch nicht. Die beiden ersten Menschen waren vollkommen, als sie geschaffen wurden, wie alles, was Gott gemacht hatte: „Und Gott sah alles, was er gemacht hatte; und siehe, es war sehr gut“ (1. Mose 1,31). Das heißt, dass ihre Gene vollkommen waren, fehlerlos! Aber als die Sünde in die Welt kam (durch Adam – 1. Mose 3,6), belegte Gott die Welt mit einem Fluch und die vollkommene Schöpfung begann zu degenerieren, d. h. Tod und Verfall zu erleiden (Römer 8,22). Nach langer Zeit mündet diese Degeneration in alle möglichen Defekte im Erbgut der Lebewesen.

Aber Kain gehörte zur ersten Generation von Kindern, die je geboren wurden. Er (sowie seine Brüder und Schwestern) hatten von Adam und Eva praktisch keine fehlerhaften Gene erhalten, die Folgen der Sünde und des Fluches für das Erbgut waren am Anfang sehr geringfügig. Deshalb konnten Bruder und Schwester einander heiraten ohne jegliche Gefahr missgebildeter Nachkommen.

Zur Zeit Moses (etwa 2500 Jahre später) hatten die Gendefekte in der Menschheit ein Ausmaß erreicht, dass Gott Gesetze erlassen musste, die die Heirat von Bruder und Schwester (sowie nahen Verwandten) verbieten (3. Mose 18–20). Das gilt auch heute noch!11

(Außerdem gab es zur Zeit Moses bereits so viele Menschen, dass es keinen Grund gab, warum nahe Verwandte einander heiraten sollten.)

Alles in allem scheint es drei zusammenhängende Gründe zu geben für Gesetze, die die Ehe mit nahen Verwandten verbieten:

  1. Gottes Gesetze sollten schützen vor der Gefahr, behinderte oder missgebildete Nachkommen zu zeugen.
  2. Gottes Gesetze trugen dazu bei, das Volk Israel stark, gesund und im Plan Gottes zu erhalten.
  3. Diese Gesetze waren ein Schutz für die Einzelperson (besonders für Frauen!), den Zusammenhalt in der Familie und für die Gesellschaft als Ganzes. Der psychologische Schaden, der durch Inzest und sexuellen Missbrauch (vor allem innerhalb der Kernfamilie) entsteht, sollte nicht unterschätzt werden.

Kain Und Das Land Nod

„Und Kain ging hinweg von dem Angesicht des HERRN und wohnte im Land Nod, östlich von Eden. Und Kain erkannte seine Frau; die wurde schwanger und gebar den Henoch. Und er baute eine Stadt und nannte sie nach dem Namen seines Sohnes Henoch“ (1. Mose 4,16–17).

Manche behaupten, das bedeute, dass Kain ins Land Nod ging und dort eine Frau fand. Daraus schließen sie, dass es auf der Erde Menschen gegeben haben muss, die nicht von Adam und Eva abstammten – und von diesem Stamm habe Kain eine Frau geheiratet.

Dass alle Menschen, auch Kains Frau, Nachkommen Adams sind, wissen wir bereits. Hier steht auch nicht, Kain wäre in das Land Nod gegangen und hätte dort eine Frau gefunden; hier steht nur, dass er dort seine Frau „erkannte“, d. h. Geschlechtsverkehr mit ihr hatte. Johannes Calvin schreibt zu diesem Vers:

„Aufs Ganze gesehen können wir schließen, dass Kain eine Frau genommen hatte, ehe er seinen Bruder erschlug; sonst hätte Mose hier etwas über seine Heirat gesagt.“12

Kain war also wohl bereits verheiratet gewesen, bevor er ins Land Nod zog.13

Vor Wem Hatte Kain Angst?

Nach dem Mord an seinem Bruder sagte Kain: „Ich muss … ruhelos und flüchtig sein auf der Erde. Und es wird geschehen, dass mich totschlägt, wer mich findet!“ (1. Mose 4,14.) Vor wem hatte Kain Angst?

Einige behaupten, außer den Nachkommen von Adam und Eva müssten noch andere Menschen auf der Erde gelebt haben – vor wem hätte Kain sich sonst gefürchtet?

Erstens: Nur die nahen Verwandten von Abel hatten einen Grund, Kain Schaden anzutun.

Zweitens: Zwischen der Geburt der beiden Brüder und dem Tod Abels war viel Zeit vergangen: „Und es geschah nach geraumer Zeit, dass Kain dem HERRN ein Opfer darbrachte von den Früchten des Erdbodens“ (1. Mose 4,3).

Ich betone: „nach geraumer Zeit“. Wir wissen, dass Seth geboren wurde, als Adam 130 Jahre alt war (1. Mose 5,3). Eva sah in ihm einen Ersatz für Abel (1. Mose 4,25). Zwischen Kains Geburt und Abels Tod mag somit ein ganzes Jahrhundert gelegen haben, oder noch mehr – Zeit genug für die anderen Kinder von Adam und Eva, zu heiraten und Kinder zu zeugen.

Als Abel ermordet wurde, hatten Adam und Eva also schon eine beträchtliche Nachkommenschaft, Kinder und vermutlich auch Enkel.

Woher Hatte Kain Die Technik?

Einige sind der Meinung, im Land Nod müsse es schon einiges an Technik gegeben haben, damit Kain eine Stadt bauen konnte – Technik, die von einem anderen, älteren Stamm entwickelt worden war.

Die Nachkommen von Adam und Eva waren sehr intelligent – Jubal baute Musikinstrumente, z. B. Geigen und Blasinstrumente (1. Mose 4,21), Tubal-Kain war geschickt in der Verarbeitung von Bronze und Eisen (1. Mose 4,22).

Die Indoktrination mit der Evolutionslehre hat viele dazu gebracht zu glauben, unsere Generation sei die intelligenteste und am weitesten entwickelte aller Zeiten. Ja, wir bauen Düsenflugzeuge und Computer, aber das heißt doch nicht, dass wir die intelligentesten oder am weitesten entwickelten Menschen wären. Die moderne Technik ist in Wirklichkeit nur eine Ansammlung von Wissen.

Bedenken wir, dass unser Gehirn seit 6000 Jahren (seit dem Sündenfall) unter dem Fluch leidet. Verglichen mit den Menschen vor vielen Generationen sind wir sehr herabgesunken. Wir sind lange nicht so intelligent und erfinderisch, wie es die Kinder von Adam und Eva waren. Die Heilige Schrift malt uns fast von Anfang an ein Bild von fortschrittlicher Technik.

Somit gilt: Bereits Kain hatte das Wissen und das Talent zum Städtebau!

Schlussbetrachtung

Viele Christen können die Frage nach Kains Frau unter anderem deshalb nicht beantworten, weil sie eher auf unsere heutige Welt schauen (und die Probleme, die die Heirat naher Verwandter aufwirft) anstatt auf den klaren historischen Bericht, den Gott uns gegeben hat.

Sie versuchen, den Schöpfungsbericht aus heutiger Perspektive zu betrachten, statt zu sehen, was der Geschichtsbericht der Bibel über die Welt sagt und was die Sünde verändert hat. Dass sie ihre Weltsicht nicht auf die Heilige Schrift gründen, sondern mit einer säkularen Denkweise an die Bibel herangehen, macht sie blind für die einfachen Antworten.

Die ersten Kapitel des 1. Buches Mose (Genesis) sind ein Bericht des Gottes, der dabei war, als sich Weltgeschichte ereignete. Sie sind der Augenzeugenbericht des Einen, der alles weiß; er ist ein zuverlässiger Zeitzeuge! Nehmen wir das 1. Buch Mose als Grundlage für unser Geschichtsverständnis, ergeben auch die Belege einen Sinn, die ansonsten ein echtes Rätsel wären.

Wenn die Evolutionslehre wahr wäre, dann hätte die Wissenschaft ein viel größeres Problem als die Frage, wo Kains Frau herkam. Sie müsste nämlich erklären können, wie der Mensch durch Mutationen überhaupt hätte entstehen können – denn die Mutationen, im Grunde „Kopierfehler“, hätten bei den Kindern Missbildungen zur Folge gehabt. Die bloße Tatsache, dass Menschen Kinder zeugen können, die im Großen und Ganzen nicht behindert und missgebildet sind, ist ein Beweis für die Schöpfung – und nicht für die Evolution.

Footnotes

  1. Hollywood-Verfilmung der berühmten Gerichtsverhandlung gegen Scopes. Ham, Ken (1996). „The Wrong Way Round!“ Creation ex nihilo, Vol. 18(3), S. 38–41. Menton, David (1997), „Inherit the Wind: An Historical Analysis“, Creation ex nihilo, Vol. 19(1), S. 35–38.
  2. Film von Robert Zemeckis, herausgebracht am 11. Juli 1997 von Warner Bros. Nach dem gleichnamigen Buch Contact von Carl Sagan (1985) Pocket Books, New York.
  3. The World’s Most Famous Court Trial, Tennessee Evolution Case (A word-for-word report) (1990), Bryan College (Neuauflage), S. 302.
  4. Sagan, Carl (1985). Contact, Pocket Books, New York.
  5. Sagan, Carl (1997), Contact (deutsche Übersetzung), Knauer Verlag, München, S. 28.
  6. Apologetik – griech. apologia, die Verteidigung und Rechtfertigung unseres Glaubens an Jesus Christus und unserer Hoffnung auf Erlösung, wie in 1. Petrus 3,15 angeordnet. Dies erfordert eine gründliche Kenntnis der Heiligen Schrift und der Lehren über Schöpfung, Erbsünde, Fluch, Sintflut, Jungfrauengeburt, Leben und Wirken des Jesus von Nazareth, Kreuz, Kreuzigung, Auferstehung, Himmelfahrt, Verheißung der Wiederkunft Christi sowie eines neuen Himmels und einer neuen Erde. Der Apologet muss fähig sein, diese Lehren logisch und deutlich zu erklären.
  7. In gewissem Sinne war auch Eva ein „Nachkomme“ Adams, da sie aus seinem Fleisch erschaffen wurde; somit bestand zu ihm eine biologische Verbindung (1. Mose 2,21–23).
  8. Josephus, Flavius (übersetzt von William Whiston, A.M.) 1981. The Complete Works of Josephus, Kregel Publications, Grand Rapids, Michigan, S. 27.
  9. Ein anderes Beispiel wäre Isaaks Frau Rebekka – sie war Isaaks Kusine zweiten Grades (1. Mose 24,15).
  10. 3. Mose 18–20.
  11. Einige haben behauptet, durch derartige Gesetzesänderungen sei bewiesen, dass Gott seine Entscheidung geändert hat. Aber dem ist nicht so! Gott führte unseretwillen neue Gesetze ein – aufgrund der Veränderungen, die die Sünde mit sich brachte, und weil sich Gott nie ändert.
  12. Calvin, Jean (1979, Neuauflage). Commentaries on the First Book of Moses Called Genesis. Baker House, Grand Rapids, Michigan. Vol. 1, S. 215.
  13. Auch wenn Calvins Anregung zu diesem Thema inkorrekt wäre, hätten dennoch zahlreiche Nachkommen von Adam und Eva ausreichend Zeit gehabt, auszuziehen und sich anderswo niederzulassen, z. B. im Land Nod.

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