Kapitel 4

Das ferne Licht der Sterne

von am
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Einsteins Relativitätstheorie eröffnete eine neue Sicht auf das Univer-sum. Aber eine Frage blieb: Wie lange dauert es, bis das Licht der Sterne die Erde erreicht – wann kommt es an? Die Antwort hängt von den getroffenen Annahmen ab; eine neue Theorie des Kreationismus erklärt: Sofort! 1

Auf praktisch jedem Feld der Naturwissenschaft finden wir Belege und starke Bestätigungen für den Schöpfungsbericht der Bibel. Und doch scheint es Fakten zu geben, die nicht dazu passen wollen – zu-mindest auf den ersten Blick. Es sollte uns aber nicht wundern, dass wir das Universum in all seinen Facetten nicht immer so ganz verste-hen.

Schließlich ist unser Verstand endlich und fehlbar, und das Univer-sum ist komplex. Wir haben so wenig davon erforscht. Wenn wir aber beharrlich sind, lässt der Herr uns oft etwas Neues in seiner Schöp-fung entdecken, und wir erkennen: Was auf den ersten Blick wie ein Problem aussah, steht tatsächlich mit dem Schöpfungsbericht voll-kommen im Einklang. Eines dieser scheinbaren Probleme ist das ferne Licht der Sterne.

Das Problem

Seit einem knappen Jahrhundert wissen wir, dass das Universum sehr, sehr groß ist. Einige Galaxien sind so weit entfernt, dass selbst das Licht (mit einer Geschwindigkeit von 300 000 km/sec) Milliarden von Jahren brauchen würde, um diese Entfernung zu überwinden, zumin-dest nach unserem beschränkten Verständnis. Aber da wir diese Ga-laxien sehen können, muss ihr Licht von dort zu uns gereist sein.

Hätte das Licht wirklich Jahrmilliarden gebraucht, um hierher zu gelangen, dann wäre das Universum (oder wären zumindest diese Galaxien) Milliarden von Jahren alt. Doch diese Deutung steht im Widerspruch zur Bibel, die uns beim einfachen Lesen darauf hinweist, dass Gott das Universum erst vor wenigen Jahrtausenden erschaffen hat.

Um dieses Problem zu lösen, haben Wissenschaftler im Laufe der Jahre verschiedene Modelle vorgeschlagen, z. B. eine Änderung der Lichtgeschwindigkeit oder „Gravitations-Zeitdilatation“ (Dilatation – Verzögerung). Es sei auch darauf hingewiesen, dass säkulare Astro-nomen ihr eigenes Zeitreiseproblem haben – das „Horizontproblem“: Der Urknall kann nicht erklären, wie das Licht durch das Universum reisen konnte und dabei eine gleichförmige „Hintergrundstrahlungs-temperatur“ erzeugte. 2

Doch jetzt haben wir wahrscheinlich die Antwort auf diese Frage gefunden.

Entgegen der landläufigen Meinung kann es durchaus sein, dass das Licht keine Zeit braucht, um von A nach B zu kommen; damit wäre die Reisezeit des Lichtes auch von den entferntesten Sternen bis zur Erde praktisch gleich null – nicht nur am vierten Schöpfungstag, son-dern bis heute.

Entdeckt hat das nicht etwa ein bibelgläubiger Kreationist, der ver-suchte, das Problem der Lichtlaufzeit im Zusammenhang mit der Schöpfung in sechs Tagen zu lösen – nein, diese Erkenntnis verdan-ken wir Albert Einstein! Wieder einmal zeigt sich, dass die Annahmen schwerer wiegen als das, was man beobachten und empirisch erfor-schen kann.

Warnhinweis: Dieses Kapitel ist allgemeinverständlich geschrieben; für Fachleute empfehlen wir den Originalbeitrag im Internet.3 Wem die Relativitätstheorie jedoch fremd ist, dem mag dieses Kapitel wi-dersinnig vorkommen; bitte stellen Sie sich darauf ein, dass Sie kräftig dazulernen.

Einstein-Physik

Einsteins Entdeckungen haben unsere Vorstellung von Raum und Zeit verändert – und auch das, was wir über das Licht wissen können. Vor dem 20. Jahrhundert glaubten die meisten Menschen, dass Raum und Zeit unberührt bleiben von der Geschwindigkeit (Richtung und Be-trag). Unsere Alltagserfahrung scheint das zu bestätigen: Unsere Uhren ticken eben scheinbar nicht langsamer, wenn wir mit dem Auto fahren. Und die Länge des Autos ändert sich scheinbar ebenfalls nicht mit der Geschwindigkeit.

Aber um die Jahrhundertwende zeigte Einstein, dass unsere Wahr-nehmung sehr irreführend sein kann: Die Geschwindigkeit verändert den Verlauf der Zeit tatsächlich, und sie wirkt sich auch aus auf die Längenmessung.

Nur dass dieser Effekt bei „langsamer“ Geschwindigkeit extrem ge-ring ist – das heißt, wenn die Lichtgeschwindigkeit deutlich unter-schritten wird. Und da im Vergleich dazu selbst Düsenjäger, Gewehr-kugeln, Satelliten und Mondraketen im Schneckentempo kriechen, bemerken wir in unserem Alltag von Einsteins Entdeckung nichts.

Tatsächlich müsste man sich mit 14 % der Lichtgeschwindigkeit bewegen, damit das Auto um 1 % verkürzt oder die Uhr um 1 % lang-samer ticken würde (auf einen Tag gerechnet wäre das immerhin fast eine Viertelstunde). Da sich aber noch nie ein Mensch so schnell fort-bewegt hat, hat diese Auswirkung auch noch keiner im Alltag erlebt. Physiker haben es jedoch geschafft, Partikel (kleiner als Atome) auf nahezu Lichtgeschwindigkeit zu beschleunigen – und dann verhalten sich diese Partikel genau so, wie Einstein es vorhergesagt hat. Länge und Zeitdauer sind also nicht absolut, sondern immer abhängig von der Geschwindigkeit, „relativ zu“ ihr; deshalb nennt man Einsteins Physik auch „Relativitätstheorie“.

Nur mit Rückfahrkarte!

Ein weniger bekannter Aspekt der Physik Einsteins: Die Lichtge-schwindigkeit kann in einer Richtung nicht objektiv ermittelt werden; deshalb muss die sie durch Konvention festgelegt werden. Im Gegen-satz dazu ist die Lichtgeschwindigkeit immer gleich, wenn man eine ganze Runde dreht, wenn das Licht sozusagen eine „Rückfahrkarte“ hat.

Wenn das Licht zum Beispiel von A nach B läuft und dann zurück nach A, braucht es für die Gesamtstrecke gleich lange – denn die Ge-schwindigkeit ist immer gleich –, und diese Zeit kann man objektiv messen. Aber das geht eben nur „mit Rückfahrkarte“. Wenn es aber nur von A nach B geht oder nur von B nach A, dann kann man die Zeit nicht objektiv messen, es geht einfach nicht. Bei „einfacher Fahrt“ muss man für die Lichtgeschwindigkeit einen Wert festlegen.

Was wir über die Lichtgeschwindigkeit wissen

Die Geschwindigkeit des Lichts für den gesamten Weg (hin und zu-rück) können wir berechnen, sozusagen das Tempo „mit Rückfahrkar-te“. Nehmen wir einmal an, wir strahlen ein Licht über einen langen Flur und am Ende ist ein Spiegel. Wenn unsere Stoppuhr sagt, dass der gesamte Weg, also hin und zurück, 2 Sekunden dauert, ist das eine zuverlässige Angabe.

Was wir nicht wissen

Ganz anders ist das bei der „einfachen Fahrt“: Wir wissen nicht sicher, wie lange das Licht gebraucht hat, um zum Spiegel zu gelangen, und wie lange es gedauert hat, bis es von dort wieder zu uns zurückge-kommen ist.

Figure 1

Tempomessung auf der „einfachen Fahrt“

Um solche Annahmen für die Laufzeit in einer Richtung zu vermei-den, müssen wir in der Lage sein, diese Laufzeit zu messen. Man bräuchte zwei Stoppuhren, die exakt aufeinander abgestimmt (syn-chronisiert) sind. Doch genau das ist unmöglich. Das liegt daran, weil jede Bewegung einer Uhr in Richtung des Spiegels die Zeit verändern kann!

Figure 2
Figure 3

Anders ausgedrückt: Wir können es uns aussuchen, wie lange das Licht für den Hinweg braucht und wie lange für den Rückweg. Wissen können wir nur, dass es insgesamt auf dem Hin- und Rückweg, also im Durchschnitt, immer dasselbe Tempo hat.

Warum kann das „Einfach-Tempo“ des Lichts nicht objektiv ge-messen werden? Man müsste zwei Uhren synchronisieren, die durch einen größeren Abstand voneinander getrennt sind – sie also genaues-tens aufeinander abstimmen. Aber zwei Uhren synchronisieren, die durch eine gewisse Entfernung voneinander getrennt sind, das kann man nur, wenn man weiß, wie schnell das Licht sich in die eine Rich-tung bewegt. Hier bleibt nur der Zirkelschluss: Man nimmt etwas an, was man eigentlich erst ermitteln oder beweisen will.

Um die Einfach-Geschwindigkeit des Lichts zu ermitteln, müssen wir Uhren synchronisieren können. Aber um Uhren zu synchronisie-ren, müssen wir die Einfach-Lichtgeschwindigkeit kennen. Einstein wusste um dieses Dilemma: „Man scheint sich also hier in einem logi-schen Zirkel zu bewegen.“4

Einstein versuchte, dieses Dilemma mit dem Hinweis zu lösen, dass die Einfach-Geschwindigkeit des Lichts nicht wirklich eine Naturkon-stante sei, sondern eine Konvention – also etwas, das wir frei wählen können! Der Einfachheit halber nehmen viele Physiker an, das Licht bewege sich in jeder Richtung gleich schnell.

Aber es könnte auch ganz anders sein – im Rahmen der Gesamtge-schwindigkeit von 300 000 km pro Sekunde für Hin- und Rückweg ist jede Kombination möglich. Einstein sagte, die Einfach-Geschwindig-keit des Lichts sei „in Wahrheit keine Voraussetzung oder Hypothese über die physikalische Natur des Lichtes, sondern eine Festsetzung, die ich nach freiem Ermessen treffen kann, um zu einer Definition der Gleichzeitigkeit zu gelangen“5.

Adam und Alpha Centauri

Demnach ist es gerechtfertigt anzunehmen, dass das Licht uns ohne Zeitverzögerung erreicht, Hauptsache es hat – bezogen auf den Hin- und Rückweg (im luftleeren Raum) – insgesamt eine Geschwindigkeit von 300 000 km pro Sekunde.

In diesem Fall braucht das Licht von fernen Sternen überhaupt kei-ne Zeit, um die Erde zu erreichen, da das Licht sich ja auf uns zube-wegt. So gesehen, ist das Licht weit entfernter Sterne kein Problem.

Diese Konvention könnte man „anisotrope Synchronisations-Konvention“ nennen (ASK, engl. ASC); anisotrop bedeutet: Licht wandert in unterschiedlichen Richtung mit unterschiedlicher Ge-schwindigkeit. Natürlich kann man genauso gut jede andere Konvention anwenden.

Einstein sagt uns, dass wir frei entscheiden können, welche Kon-vention wir anwenden wollen. Der Einfachheit halber gehen die meis-ten Physiker davon aus, dass das Licht sich in jeder Richtung gleich schnell bewegt (isotrop). Aber es gibt keinen triftigen Grund, nicht stattdessen die ASK anzunehmen.

Es scheint, dass der Autor des Schöpfungsberichts von der aniso-tropen Synchronisations-Konvention ausging. In 1. Mose 1,15 lesen wir, dass die Lichter am Himmel dazu bestimmt waren, Licht auf die Erde scheinen zu lassen, und es heißt: „Und es geschah so.“

Wie lange hat es wohl gedauert, bis die Sterne ihrer von Gott zuge-dachten Aufgabe gerecht wurden und die Erde beleuchteten? Der Schöpfungsbericht legt nahe, dass dies sofort geschah.

Die ASK ist die einzige Konvention, gemäß der das Licht aller Sterne im Weltraum sofort zur Erde gelangen konnte; implizit wurde diese Konvention von allen alten Kulturen angewendet (auch wenn sie es sich wahrscheinlich anders dachten als wir heute).6

Gott möchte, dass die Menschen sein Wort lesen und es verstehen (das sagt er in 5. Mose 30,11–14 und anderswo). Die ASK wäre die beste Konvention dafür, da sie von den alten Kulturen angewendet wurde und auch heute noch Anwendung findet.

Wenn die Bibel im Schöpfungsbericht (und generell) die ASK an-wendet, dann ist damit erklärt, wie es möglich ist, dass wir – trotz eines jungen Universums – das Licht auch der entferntesten Galaxien sehen können. Gott schuf die Himmelslichter am vierten Tag, und es dauerte nicht lange, bis ihr Licht die Erde erreichte (denn laut ASK braucht das Licht für die einfache Strecke vom Stern zur Erde keine Zeit). Das heißt: Adam musste keine 4 Jahre und 4 Monate warten, bis er Alpha Centauri sehen konnte; wie alle anderen Sterne konnte er auch diesen Stern schon in der ersten Nacht sehen (klare Sicht voraus-gesetzt).

Um ein wissenschaftliches Modell des Kosmos zu entwickeln, kön-nen wir einige zusätzliche Annahmen machen über das Universum und darüber, wie Gott bei der Erschaffung von Himmel und Erde die Materie im All verteilt haben könnte. Diese Annahmen ermöglichen die Entwicklung eines schöpfungsbasierten Modells des Kosmos, und seine Prognosen kann man nachprüfen.

Viele Vorhersagen des „ASK-Modells“ haben sich bereits bestätigt, und wir erwarten in Bälde weitere Bestätigungen. Mehr über das ASK-Modell in englischer Sprache finden Sie in unserem kostenlosen „Answers Research Journal“ unter www.answersingenesis.org/arj.

Unterm Strich: Wir wissen nicht alles über das Universum – wir waren ja nicht von Anfang an dabei –; deshalb sollten wir wie Hiob demütig zugeben, dass wir im Vergleich zu Gott nichts wissen (Hiob 42,1–6). Aber Gott ermöglicht uns, einige Aspekte seines Kosmos zu verstehen, und jetzt haben wir vielleicht die Antwort auf die Frage nach dem fernen Licht der Sterne. Die Forschung zu diesem Thema wird fortgesetzt, aber gleichgültig, was die Naturwissenschaft heraus-findet: Wir sollten uns immer kompromisslos auf das Wort Gottes verlassen.

„Virtuelles“ Sternenlicht?

Manche Kreationisten dachten, dass Gott die Lichtstrahlen einfach gleich miterschaffen haben könnte. Anders ausgedrückt: Wenn wir eine ferne Galaxie (wie unsere Milchstraße) betrachten, sehen wir nicht wirklich das Licht von dieser Galaxie, sondern lediglich das Bild einer Galaxie, das Gott bei der Schöpfung in einen Lichtstrahl plat-ziert hat.

Diese Ansicht bedeutet: Was auch immer wir in den Weiten des Weltraums sehen (z. B. eine Super-Nova bzw. Sternen-Explosion), ist nicht wirklich passiert – Himmelserscheinungen wären demnach einfach nur Spielfilme, die Gott gemacht hat und uns vorführt. Aber das scheint unvereinbar mit dem Charakter Gottes, wie er in der Bibel gezeichnet wird (1. Korinther 14,33).

Noch wichtiger: Diese Ansicht widerspricht dem, was die Bibel selber über die Sterne sagt. In 1. Mose 1,15 lesen wir, dass Gott die Himmelslichter erschuf, damit sie Licht auf die Erde bringen. Wenn Gott aber nur die Lichtstrahlen erschaffen hätte, dann käme das Licht nicht wirklich von den Sternen. Und das würde bedeuten: Über 99 % des Universums tun noch nicht, wozu Gott sie gemacht hat: um Licht auf die Erde zu bringen.

Aber 1. Mose 1,15 sagt: „Und es geschah so.“ Das bedeutet, dass die Sterne sofort begannen, ihrem von Gott vorgegebenen Auftrag nachzukommen. Die Lichtstrahlen wurden also nicht an Ort und Stelle geschaffen; offenbar kam das Licht tatsächlich von den Sternen – und der Schöpfungsbericht scheint zu zeigen, dass es sofort ankam.

Buch: Fragen und Antworten zur Wahrheit der Bibel

In diesem Band geht es vor allem um die Frage „Evolution – Wissenschaft oder Glaube?“

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Footnotes

  1. Jason Lisle ist Master und Doktor der Astrophysik (University of Colora-do, Boulder) mit Schwerpunkt Solarphysik; er hat eine Reihe wissenschaftli-cher Entdeckungen zur Photosphäre der Sonne gemacht, darunter den Nach-weis von riesigen Konvektionszellen mithilfe der Raumsonde SOHO. Nach der Mitarbeit bei „Answers in Genesis“ und danach im „Institute for Creation Research“ ist er jetzt Leiter des „Biblical Science Institute“ (https://biblicalscienceinstitute.com/).
  2. Siehe The New Answers Book, Kapitel 19. Green Forest, Arkansas: Master Books (2006), S. 251–254.
  3. https://www.answersingenesis.org/astronomy/anisotropic-synchrony-convention-distant-starlight-problem.
  4. Albert Einstein, Über die spezielle und die allgemeine Relativitätstheorie. Heidelberg: Springer (2009), S. 15.
  5. Ebd. (Hervorhebung im Original).
  6. Soweit wir wissen, haben alte Völker bei ihren Beobachtungen der Gestir-ne keine Lichtreisezeit eingerechnet. Für sie geschah im Weltraum alles in genau dem Moment, in dem sie es sahen. Das ist das Wichtigste zur ASK in aller Kürze.

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